Hirschkäfer


Das Paarungsverhalten von Hirschkäfern (Lucanus cervus) konzentriert sich auf eine kurze, intensive Flugzeit zwischen Ende Mai und Anfang August. Die oft nur wenige Wochen lebenden Käfer treffen in dieser Zeit an Baumsaftquellen aufeinander, wo die Fortpflanzung stattfindet. Weibliche Hirschkäfer locken paarungsbereite Männchen über Sexuallockstoffe (Pheromone) an. Da es oft mehr Männchen als Weibchen gibt, kommt es zu teils heftigen Rivalenkämpfen. Die Männchen nutzen ihre imposanten, geweihartigen Oberkiefer (Mandibeln), um Kontrahenten von der Futterstelle oder dem Ast zu hebeln oder auf den Rücken zu werfen. Das siegreiche Männchen besteigt das Weibchen und umschließt es. Bei der eigentlichen Paarung verharren die Käfer oft mehrere Tage lang zusammen. Dies bietet dem Weibchen einen großen Vorteil: Das darüber sitzende Männchen schützt es effektiv vor Fressfeinden wie Vögeln (z. B. Eichelhähern). Wenn ein Vogel angreift, erwischt er in der Regel zuerst das Männchen, wodurch das Weibchen flüchten oder sich in die Tiefe fallen lassen kann.

Die Nahrung des Hirschkäfers unterscheidet sich drastisch zwischen seinem Larvenstadium und dem ausgewachsenen Käfer. Die Larven fressen ausschließlich morsches, feuchtes und verpilztes Totholz (besonders von Eichen). Sie leben bis zu 8 Jahre im Holz und zersetzen es zu feinem Humus. Die adulten Käfer lecken und saugen ausfließende Baumsäfte, bevorzugt von Eichen. Mit ihren Mundwerkzeugen, die bei Männchen wie ein Geweih geformt sind, können sie nicht kauen. Weibchen beißen manchmal selbst in die Rinde, um an den Saft zu gelangen. Das Labium (die Unterlippe) ist beim Hirschkäfer zusammen mit den Unterkiefern (Maxillen) zu einem speziellen, pinselartigen Organ umgebildet, das der Nahrungsaufnahme dient. Selbiges ist im Video deutlich zu sehen.